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Häufigkeit von Colitis Ulcerosa & Morbus Crohn

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Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sind die häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Die wahre Häufigkeit (bzw. Prävalenz) von Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn ist schwierig zu bestimmen, da vermutet wird, dass es aufgrund der Symptome und vieler milder Verläufe eine hohe Dunkelziffer gibt. Schätzungen gehen von rund 420.000 bis 470.000 CED-Patienten in Deutschland aus. [1] In diesem Beitrag sind alle Fakten zur Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa Häufigkeit zusammengefasst. Außerdem wird gezeigt, wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat und welche Entwicklung Forscher für die Zukunft vorhersagen. Meine persönlichen Erfahrungen mit Colitis Ulcerosa findest du hier.

häufigkeit chronisch entzündlicher darmerkrankungen

Wie häufig kommt Colitis Ulcerosa vor?

Die Häufigkeit von Colitis Ulcerosa beträgt in Deutschland derzeit rund 160-250 Betroffene pro 100.000 Einwohnern. Somit sind 0,16-0,25% der Bevölkerung und insgesamt rund 170.000 Menschen in Deutschland erkrankt. Die Inzidenz, also die Rate der Neuerkrankungen, liegt bei jährlich ca. 3-4 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern. Aufgrund der signifikanten Dunkelziffer, liegen die tatsächlichen Häufigkeiten höher.
Der Gipfel der altersspezifischen Inzidenz liegt zwischen dem 16. und 25. Lebensjahr. 15-25% der Betroffenen erkranken vor dem 20. Lebensjahr. [2] Im Vergleich zur Häufigkeit des Morbus Crohn, liegt die Häufigkeit von Colitis Ulcerosa etwas höher.

Wie häufig kommt Morbus Crohn vor?

Die Häufigkeit von Morbus Crohn beträgt in Deutschland derzeit rund 120-200 Betroffene pro 100.000 Einwohnern. Somit sind 0,12-0,2% der Bevölkerung und insgesamt rund 150.000 Menschen in Deutschland erkrankt. Die Inzidenz, also die Rate der Neuerkrankungen, liegt bei jährlich ca. 5-9 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern. Aufgrund der signifikanten Dunkelziffer, liegen die tatsächlichen Häufigkeiten höher. Der Gipfel der altersspezifischen Inzidenz liegt zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Knapp 20% der Betroffenen erkranken vor dem 20. Lebensjahr. [2]

Nimmt die Häufigkeit der Krankheiten zu?

Weltweit beträgt die Prävalenz (Häufigkeit) der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen 80-230/100.000 und die Inzidenz 1,5-24,5/100.000. Diese Werte sind nach einem Anstieg in den letzten Jahren mittlerweile für die Industrieländer stabil. Allerdings steigt die Inzidenz in den Entwicklungsländern weiterhin deutlich. Vor allem in Ländern wie Indien, China und Russland – und dort zuerst in den Großstädten – nehmen die Diagnosen deutlich zu. [2] Ob die Ursache dafür eine verbesserte Diagnostik oder eine tatsächliche Häufung der Erkrankungen ist, kann nur schwer ermittelt werden. Auch ein Zusammenhang mit industrieller Ernährung wird häufig diskutiert. Allerdings ist die Ursache der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nach wie vor nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Eindeutig ist jedoch eine allgemeine Zunahme der Erkrankungen im Vergleich zur ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. [2]

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Entwicklung der Häufigkeit von Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn seit 2000 Quelle: Infozentrum für Prävention und Früherkennung (IPF), vorsorge-online.de

Eine britische Studie aus 2019 legt zudem nahe, dass die tatsächliche Erkrankungsrate chronisch entzündlicher Darmerkrankungen rund dreimal höher liegt, als bisher angenommen. Die Forscher beobachteten von 2000 bis 2017 in mehreren Kliniken neue Fälle chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen in Großbritannien und prognostizierten neben der hohen Dunkelziffer zudem einen Anstieg von 25% bei den Neuerkrankungen mit CED bis 2025. Im Beobachtungszeitraum von 2000 bis 2017 stieg die Colitis Ulcerosa Häufigkeit in der Bevölkerung (Prävalenz) um 55% und die Morbus-Crohn-Prävalenz um 83%. [3]

Diese Entwicklung ist aus mehreren Gründen kritisch: CED-Patienten leiden oft unter einer verminderten Lebensqualität, sodass die Erkrankung sie persönlich belastet. Allerdings entstehen über die Therapie und Arbeitskraftverluste auch enorme Schäden für die Gesellschaft. Dr. Dominic King von der Universität Birmingham, der die Studie leitete, kommentierte bei deren Vorstellung dazu:

Unsere Studie legt nahe, dass die CED-Prävalenz im nächsten Jahrzehnt wahrscheinlich erheblich ansteigen wird. Da es derzeit keine bekannte Heilung gibt, benötigen CED-Patienten häufig zeitlebens komplexe und kostspielige Therapien. Dieser prognostizierte Anstieg der Prävalenz kann die bereits überlasteten Gesundheitssysteme noch stärker belasten.

Dr. Dominic King, Universität Birmingham [4]

Die Einschätzung verdeutlicht, wie wichtig die Forschung an besseren Therapien und Methoden der Diagnostik für Betroffene und Gesellschaft ist. Diese gewinnt durch den prognostizierten Anstieg der Häufigkeit von Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn nur weiter an Bedeutung.

Quellen:
[1] https://www.vorsorge-online.de/fileadmin/Daten/PDFs_Pressemeldungen/ViZ_2020/2020_ViZ_KW21_CED-Darmkrebs.pdf
[2] Gesellschaft für Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS): Morbus Crohn – Colitis ulcerosa
[3] King. D et al. 2019. Incidence and Prevalence of Inflammatory Bowel Disease in the UK between 2000 and 2016 and Associated Mortality and subsequent risk of Colorectal Cancer
[4] https://biermann-medizin.de/uegw-2019-ced-praevalenz-ist-dreimal-hoeher-als-bisher-geschaetzt-und-steigt/?cn-reloaded=1

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