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Operation J-Pouch

J-Pouch Erfahrungsbericht #15: Tag 4-7 nach der Pouch-OP

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In den weiteren Tagen nach der J-Pouch Operation setze ich meine Erholung fort. Allerdings gibt es am kritischen vierten Tag erst einmal einen Durchhänger. Die Schmerztherapie funktioniert noch nicht richtig und der Umstieg vom Schmerzkatheter auf Tabletten muss verschoben werden. Dafür gibt es in allen anderen Bereichen große Fortschritte. Was genau passiert, erfährst du in diesem Teil des J-Pouch Erfahrungsberichts.

Montag, 27.09.21, Tag 4

Die neue Woche startet direkt ziemlich bescheiden. Für den Montag hatten die Anästhesisten am Wochenende geplant, die Schmerzmittelpumpe für den Katheter in meiner Wirbelsäule erstmals probeweise auszuschalten, da ich mittlerweile schon wieder Tabletten schlucken kann. So soll geschaut werden, wie gut ich ohne auskomme. Falls das klappt, könnte der Katheter dann schon gezogen werden.

In der Nacht auf Montag schlafe ich allerdings schlecht und werde oft wach, weil ich Schmerzen im Bauch und am Po habe (3-4/10). Gegen 3 Uhr nachts reicht es mir dann und ich drücke erstmals seit der OP selbst auf die Fernbedienung, um mir Schmerzmittel zu geben. Ausgerechnet dann fängt die Pumpe allerdings nur an zu piepen: Sie ist leer.

Ich rufe einen Pfleger und er nimmt die Pumpe mit, um sie aufzufüllen. Wenig später kommt er zurück und verweist auf den geplanten Auslassversuch am Montag. „Wenn die heute Vormittag sowieso wegkommt, dann lohnt sich das Auffüllen nicht mehr“, sagt er zu mir. Ich bekomme eine Schmerztablette und schlafe damit dann auch ein. Die Pumpe bleibt aber aus.

Um 5 Uhr werde ich wach und fühle mich absolut scheiße. Ich bin nassgeschwitzt und habe Schmerzen im ganzen Bauch (5/10). An aufstehen ist so nicht zu denken und ich rufe wieder die Pfleger. Derselbe Pfleger von vorher kommt und ich gehe davon aus, dass er jetzt die Schmerzpumpe wieder anschließt. Aber stattdessen soll ich wieder zuerst Tabletten nehmen. Ich bekomme zweimal Tilidin und soll 45min. warten, bis sie wirken.

Die Wartezeit ist wirklich unangenehm. Ich merke, dass die Schmerzen nicht besser, sondern stärker werden (6/10). Außerdem fühlt es sich ziemlich bescheuert an, mit Schmerzen im Bett zu liegen, wenn die helfende Schmerzpumpe direkt neben einem steht. Aber sie bleibt auch nach 45min. aus. Das Tilidin bewirkt überhaupt nichts, sodass ich nun eine Morphin-Tablette bekomme und nochmal eine halbe Stunde warten soll. Entgegen meiner Erwartungen passiert aber auch damit immer noch nichts.

Also drücke ich wieder auf die Klingel für das Pflegepersonal; mittlerweile ist es halb 7. Ins Zimmer kommt eine Pflegeschülerin aus der Frühschicht. Sie weiß von nichts und der Pfleger aus der Nachtschicht ist nicht mehr da; der Klassiker im Krankenhaus. Glücklicherweise holt sie dann eine fähige Kollegin, die ohne große Experimente die Schmerzpumpe auffüllt und startet. Keine halbe Stunde später sind die Schmerzen weg; es ist wirklich crazy.

Es ist aber kein Einzelfall, dass es extrem von der Kompetenz des Pflegepersonals abhängt, was mit einem geschieht. Und als Patient ist man dem Ganzen teilweise ziemlich ausgeliefert. Ich kann ja nachts um 3 mit Schmerzen schlecht den BTM-Schrank aufbrechen und selbst die Schmerzpumpe auffüllen. Wenn der Pfleger das nicht tut, dann bleibt die Pumpe halt aus.

An alle, denen das noch bevorsteht: So läuft ein Auslassversuch in der Regel nicht. Der Anästhesist erklärt mir am Montagmorgen, dass man sowas nie in der Nacht startet, da dort der Spiegel der Schmerztabletten gering ist und man (so wie ich) dann schnell in ein sogenannten „Schmerzloch“ fällt. Stattdessen nimmt man erstmal morgens seine Tabletten ein und schaltet danach erst die Pumpe ab. Und wenn es wirklich nicht geht, dann macht man sie auch wieder an. Wie ich selbst gespürt habe, dauert es dann nur wenige Minuten und alles ist wieder gut.

Nach dieser Erklärung und einem kurzen Fluchen über den Pfleger aus der Nachtschicht reduziert der Anästhesist dann zunächst die Rate der Schmerzpumpe von 6 auf 4ml pro Stunde. Dies probiere ich erstmal für 24h und komme damit sehr gut klar. Genau wie vorher, habe ich quasi keine Schmerzen. So kann ich am Vormittag sogar alleine ins Bad und ein wenig über den Flur laufen.

Blick vom Flurfenster über den Rhein und in der Ferne auch auf den Kölner Dom

Außerdem kommt am Montag das erste Mal die Stomatherapeutin und wechselt den Stomabeutel für mich. Außerdem zieht sie den sogenannten „Steg“. Dieser ist ein kleiner Plastikstreifen, der in der OP unter die Darmschlinge geschoben wird, damit diese nicht zurückrutscht. Nach einigen Tagen wird der Steg dann wieder gezogen; davon spürt man nahezu nichts. Aber wieder ein Stück Plastik weniger im Körper!

Die Ärzte erhöhen wegen meiner Schmerzen in der Nacht zudem noch die Tilidin-Dosierung, sonst verläuft der restliche Montag recht ruhig.

Dienstag, 28.09.21, Tag 5

In der Visite am Dienstag spreche ich an, dass die Schmerztherapie noch nicht funktioniert. Außerdem frage ich nach, wieso ich dieses Mal andere Tabletten bekomme, als nach der ersten OP. Im Juni hatte ich Novalgin und Tilidin bekommen, wobei ich letzteres mangels Wirkung schnell wieder abgesetzt habe. Jetzt bekomme ich allerdings Paracetamol und Tilidin; beides wirkt gefühlt kaum.

Da es laut Ärztin relativ egal ist, welche Kombination man nimmt, spricht nichts gegen eine Umstellung auf Novalgin. Wenn du also schon Vorerfahrungen mit Medikamenten hast, dann sprich deine Ärzte proaktiv darauf an. Denn mit dem Novalgin klappt es bei mir schon deutlich besser, als mit Paracetamol. Das Tilidin nehme ich weiterhin. Dazu bekomme ich bei Bedarf Morphin; am Dienstag passiert dies zweimal.

Am Mittag wird mir dann außerdem der ZVK gezogen. Darüber hatte ich die ersten Tage Flüssigkeit und Schmerzmittel bekommen; mittlerweile brauche ich ihn aber nicht mehr. Da er recht eng angenäht wurde, zieht es ein wenig, als die Pflegerin mit einem Skalpell den Faden am Schlüsselbein durchtrennt. Als sie den Zugang dann rauszieht, spüre ich aber nichts. Ab jetzt habe ich also keinen Zugang für Infusionen mehr, werde aber hoffentlich auch keinen mehr brauchen.

Auch der zweite Schlauch am Po wird gezogen. Wie beim ZVK zieht es ziemlich, als der Faden gelöst wird. Vom Ziehen selbst merke ich wieder gar nichts. Was ich aber direkt merke ist, dass ich endlich wieder vernünftig liegen und sitzen kann. Mit der Zeit hat der festgenähte Schlauch zunehmend geschmerzt (4/10), was zwar aushaltbar aber durchaus unangenehm und nervig war. Dieses Gefühl ist jetzt aber schlagartig weg.

Hilfsmittel bei Übelkeit und um die Verdauung zu reaktivieren: Jeder Patient bekommt Kaugummis und soll diese auch benutzen.

Die Schmerzpumpe bleibt weiter dran, da ich nach wie vor Zeiten mit Schmerzen habe (4-5/10). Sie wird am Nachmittag aber auf eine Flowrate von 3ml/Stunde reduziert. Hinzu kommt, dass mir noch immer phasenweise übel ist. Am Dienstag lasse ich Mittag- und Abendessen aus. Abends trinke ich stattdessen ein Trinkjoghurt.

Mittwoch, 29.09.21, Tag 6

An Tag 6 nach der OP merke ich schon morgens, dass es mir zum ersten Mal nach der Operation wieder wirklich gut geht. Davon motiviert wird am Morgen ein weiteres Mal die Schmerzpumpe ausgeschaltet. Außerdem bin ich fit genug, um selbstständig ins Bad zu gehen. Dort funktioniert auch alles noch, sodass der Blasenkatheter auch gezogen werden kann.

Dieser hat mich von allen Schläuchen am meisten gestört, da er bei Bewegung für ein unangenehmes Gefühl im Bauch sorgt. Wenn man aber aufsteht und läuft, dann gerät der Schlauch unweigerlich in Bewegung und zieht dementsprechend immer mal wieder. Umso glücklicher bin ich, als ich den Katheter endlich los bin. Allerdings war er von allen Schläuchen auch am unangenehmsten zu ziehen; schon allein, weil es ein wenig länger dauert. Insgesamt war es das aber auf jeden Fall wert und auch nicht schmerzhaft, sondern einfach unschön.

Am Nachmittag geht es dann schneller als erwartet: Eine Ärztin der Anästhesie kommt vorbei und baut direkt die Schmerzpumpe ab. Als nächstes ist dann das riesige Pflaster des Wirbelsäulen-Katheters dran. Nachdem Sie auch das abgezogen hat, fängt sie an, sich mit mir zu unterhalten. Ich frage nach, ob sie nicht erst noch den Katheter ziehen will und sie fängt an zu lachen: Der Katheter ist schon raus, sie hat ihn direkt mit dem Pflaster rausgezogen. Ich habe davon überhaupt nichts gespürt und es nichtmal gemerkt.

Und so schnell kann es gehen, auf einmal sind alle Schläuche weg. Mental macht das super viel aus. Ich bin direkt viel mobiler, fühle mich gesünder und kann wieder bequem liegen, sitzen und laufen. Zwar nehmen am Abend die Schmerzen wieder zu, der Nachmittag war aber super. Jetzt heißt es nur noch warten und hoffen, dass alles gut bleibt.

Nachmittags kommt noch meine Mutter zu Besuch, die zuletzt am Sonntag noch da war. Innerhalb dieser drei Tage hat sich aber so viel getan, dass sie mich kaum wiedererkennt. Sonntags konnte ich alleine nicht laufen und allgemein nur wenige Meter gehen. An mir hingen überall Schläuche und Beutel, ich trug noch immer OP-Kleidung. Am Mittwoch liege ich in einer Jogginghose entspannt auf dem Bett, habe nur noch zwei kleine Pflaster am Körper und kann den Flur alleine auf und ab laufen. So schnell kann es gehen!

Donnerstag, 30.09.21, Tag 7

Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist erneut eher mäßig gut; ich komme ohne Schmerzpumpe aber besser aus, als erwartet. Am Morgen fühle ich mich zudem wieder richtig energiegeladen.

Schon vor dem Frühstück mache ich mich im Badezimmer frisch und drehe die ersten Runden über den Flur. Das sehen die Ärzte und freuen sich dementsprechend. Zur Belohnung wird in der Visite eine mögliche Entlassung am Sonntag (Tag 10) diskutiert. Darüber freue ich mich dann wiederum!

J-Pouch Erfahrungsbericht Essen
Der Appetit ist zurück!

Am Donnerstag esse ich das erste Mal alle Mahlzeiten komplett auf und habe wieder spürbaren Appetit. Allgemein verläuft der ganze Tag ziemlich gut aber auch ereignislos. Ich bemerke jedes Mal wieder im Krankenhaus, dass ein angesprochener Entlassungstermin bei mir viel an der Zeitwahrnehmung verändert: Wenn es mir schlecht geht, dann verfliegt die Zeit ohne, dass ich mich auch nur beschäftigen muss. Ich erkenne aber, dass es mir besser geht, wenn die Langeweile wiederkommt. Und auch eine mögliche Entlassung wirkt genauso: Auf einmal zieht sich die Zeit wie Kaugummi, egal was ich tue.

Das ist natürlich ein gutes Zeichen. Außerdem bin ich mittlerweile wieder fit genug, um durchs Krankenhaus zu laufen oder ein wenig in der Free-Wifi-Zone zu sitzen. Also hoffe ich, dass alles so gut bleibt und ich am Sonntag nach Hause kann!

Alle Beiträge der Serie „J-Pouch Erfahrungsbericht“ findest du auf der Übersichtsseite.

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